Glück ist keine Glücksache ...
Glück ist keine Glücksache ...

Über Veränderung - Sonntag, 26. April 2020

 

Die Zeichen stehen auf Veränderung. Das ist inzwischen jedem auf seine Weise bewußt und jeden packt das Thema an einer anderen Stelle.

Bei mir kündigen sich Veränderungen meistens mit einem tiefen Eintauchen in eine Art Depression an - ich verliere dann größtenteils den Glauben an mich selbst, an meine Aufgabe, an meine Fähigkeiten und meine positive Einstellung. Der Himmel bleibt zwar blau, die Welt wundervoll, doch ich habe in diesen Phasen Mühe, mich einzuschwingen, wirklich ein tiefes Gefühl von Freude oder Dankbarkeit zu empfinden. Es geht schon, aber ist ist aufwendig, anstrengend und weil ich mich in diesen Phasen so antriebslos fühle, kann ich mich genau zu dem, was eigentlich helfen würde, gar nicht aufraffen. Ich WEISS genau, was ich tun müsste, aber das geht in diesen Phasen einfach nicht so leicht.

 

Glücklicherweise sind diese Phasen für mich sehr kurz geworden, heißt, tief unten bin ich dann ein oder zwei Tage und dann kommt schon eine Erkenntnis, d.h. ich treffe auf einen Satz / es geschieht etwas, was mir plötzlich die Augen öffnet. Und dann bin ich wieder froh; meistens weiß ich dann, dass zwar eine Aufgabe vor mir liegt (an mir zu arbeiten), aber dass ich das bewältige, steht für mich außer Zweifel. Ich bin der Typ: Wenn etwas nach diesen Phasen in meinem Verstand angekommen ist, dann kann ich es auch wirklich be-greifen (im wahrsten Sinne des Wortes: in meine "geistige Hand" nehmen) und heilen und integrieren.

 

Wenn ich nach dem Tief wieder schlauer geworden bin, denke ich mir oft: "Mein Gott, so gut müsstest Du Dich doch kennen, dass Du auch in den dunklen Momenten nicht verzweifelst. Du weißt doch inzwischen, wie das bei Dir läuft. Und Du weißt, dass, wenn Du Dich so fühlst, "einfach" Bewegung und Veränderung und Entwicklung anstehen."

Schon alleine mit dem Wörtchen "einfach" kann ich mich selbst wirklich in den Wahnsinn treiben, denn natürlich fühlt es sich, wenn ich im Tief sitze, überhaupt nicht einfach an. Im Gegenteil - ich stelle mir dann alles an existentiellen Fragen, was mein Verstand so aufzubieten hat. Und das ist dann ganz und gar nicht "einfach"! Vielleicht kennt Ihr dieses Gefühl ja ...

 

Wenn ich auf diese Entwicklungssprünge, die sich durch die "dunklen Phasen" angekündigt haben, zurückblicke, kann ich als Resümee vor allem eine Erkenntnis ziehen: Diese Phasen waren mal schrecklich lang, sie waren furchtbar schwer, tief, kaum auszuhalten und es gab Zeiten, da war ich einfach "weg". Als meine Mutter starb, war ich ein halbes Jahr nicht wirklich bei mir, obwohl ich mit meinem Sohn schwanger war und meine wundervolle Tochter da war. Klar, Trauer um einen geliebten Menschen verursacht schon von sich heraus eine Depression - kann sie. Doch heute bin ich fest überzeugt, dass ich das, wäre ich anders mit mir verbunden gewesen, leichter hätte bewältigen können. Aber, ich weiß auch, dass die Aufgabe (zur Veränderung), die für mich in dieser Erfahrung lag, eine unglaublich wichtige war und dass ich sie schließlich auch gemeistert habe.

Es ist, wie es ist - genau diese Aufgaben machen ja die persönliche Entwicklung aus. So, wie unsere Kinder ja nicht "fertig", also schon groß und selbständig auf die Welt kommen. Wir alle sind hier, um unseren Weg zu gehen, um das zu erfahren und in den Ausgleich zu bringen, was wir uns in der Planung für dieses Leben vorgenommen haben.

 

Also ist Veränderung immer verbunden mit einem Schritt weiter hinaus / hinauf / näher zu uns selbst und dem, wohin wir wollen und was wir vor allem dafür zu lernen haben (uns selbst als Hausaufgaben gegeben haben!). Also lerne ich, auch die "dunklen Gefühle" zu umarmen und willkommen zu heißen, denn sie sind die Boten der Veränderung. (Und wir sind ja nicht im alten Griechenland, wo die Boten Gefahr liefen, wenn sie Unangenehmes zu berichten hatten, dafür gehängt wurden). Immerhin gelingt es mir inzwischen, sobald die Erkenntnis da ist, mich zu freuen, mich bei den Gefühlen zu bedanken, sie nochmals zu reflektieren: "Was jeweils ist in mir noch nicht erlöst, dass sich in der "Krise" dieses Gefühl, dieser Glaubenssatz, dieser Zweifel zeigt? Was lerne ich daraus und wie kann ich mich unterstützen, dass es beim nächsten Mal leichter wird (oder sich andere Sätze zeigen)?"

Und vielleicht werde auch ich mich in das nächste Tief hinein entspannen können und es begrüßen als Vorboten für eine Veränderung, einen inneren Prozess, der mit Neuem aufwartet.

 

 

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